Dienstag, 13. September 2016

Umkehraufgaben

Meine Tochter hat inzwischen das Prinzip Umkehraufgaben und somit den Zusammenhang Addition- Subtraktion und Multiplikation - Division weitestgehend verstanden, auch wenn sie bei zweistelligen Zahlen mitunter nicht daran denkt.

Zunächst ringt man ja immer damit, wie geht man praktisch an ein mathematisches Thema, wie finde ich einen anschaulichen Zugang für das Kind. Folgenden Link wollte ich daher unbedingt teilen, weil hier das Prinzip der Umkehrung im Alltag so schön beschrieben wird, also das z.B. Buch aufmachen  - Buch schließen auch eine Umkehr darstellt. Viel Spaß beim Lesen! 


Sonntag, 11. September 2016

Was heiß "vorher", was "nachher"?

In einem anderen Post habe ich es schon angedeutet. Das Verstehen der Begriffe "vorher", "nachher", "Vorgänger", "Nachfolger" war für meine Tochter eine große Hürde. Sie war immer unsicher, nach was überhaupt gefragt wurde und aus welcher Richtung man schauen muss.
Problematisch wurde dies als sie in der Schule anfingen mit dem Zahlenfeld bis 100 und der Hundertertafel zu arbeiten. 

Selbst als meine Tochter bereits im Zahlenfeld bis 20 sehr sicher rechnete, konnte sie vieles nicht automatisch auf den Bereich bis 100 übertragen. Sie arbeitete zwar in der Schule mit der Hundertertafel, aber ich spürte, dass sie sich eher mit vielen kleinen Kniffen half, ohne die Systematik der Zahlen verstanden zu haben. 

Ich war mir sicher, dass es bereits am Wissen von der Zahlenreihe selbst lag, so dass wir zu Hause zunächst zählen bis und von 100 geübt haben. Vom Kopf her hatte sie das Zählen schon soweit verstanden, dass nach der 9 an der Einerstelle eine Zehnerzahl genannt werden muss. Aber es dauerte eine Weile bis sie verstanden hatte, dass nach 59 nicht 50, und nach 69 nicht 60 kommt. Neben dem Zählen in Einerschritten übten wir auch das Zählen in Zehnerschritten. Genutzt habe ich hier auch die Cuisenaire Stäbchen, weil mit diesen sichtbar wird, dass z.B. bei 5 Zehnern und 9 Einern durch hinzulegen eines weiteren Einers ein weiterer voller Zehner entsteht, der dann folgerichtig nicht 50 heißen kann. 

Neben den notwendigen stupiden Zählübungen, habe ich ihr erklärt, was "vorher" und "nachher" bedeuten. Dass diese Begriffe nicht mathematisch sind und sie nur verwirren. Korrekt heißt es "Vorgänger" und "Nachfolger." Auch die Begriffe "davor" und "danach" sollten nicht verwendet werden, da sie zusätzlich verwirren. Ich habe mit meiner Tochter eine Skizze erarbeitet und ihr den Wortstamm "vor" bzw. "nach" erklärt, so dass sie bei der Frage nach der Zahl "davor" weiß, dass nach dem "Vorgänger" gefragt wird.

Wie aber findet man einen Vorgänger? Das muss auch geübt werden. Und die Hundertertafel ist dafür nur schlecht geeignet, weil dort um jede Zahl herum bis zu 8 Nachbarn angeboten werden. Ich habe für das Herausfinden des Vorgängers und Nachfolgers das cm-Maß von IKEA zum Einsatz gebracht und meine Tochter zunächst nach einer Zahl auf dem cm-Maß suchen lassen. Sie musste sie nicht wissen, nicht ausrechnen und nicht auszählen. Diese hat sie fett farbig markiert. Dann lies ich mir den Vorgänger nennen. Also Finger eine Zahl zurück und ansagen. Dann die Frage nach dem Nachfolger und zeigen lassen. Beide lies ich sie fett mit einer anderen Farbe markieren. Ich hoffte, dass so in ihr Bild zu dieser Art Aufgaben entsteht. Dass Spiel haben wir öfter gemacht. Immer wieder mit neuen cm-Maß-Bändern, damit es nicht zu bunt wird. 

Das selbe Spiel habe ich mit den Zehnern gemacht. Also den jeweiligen 10er zuvor und den 10er nach einer Zahl. Auch habe ich mir die Skizze von ihr so erklären lassen, als wäre sie die Lehrerin und ich das Kind. So muss sie zeigen, dass sie es verstanden hat und ihr wissen selbst anwenden. Dies soll ja den meisten lernwert haben.


Was passiert mathematisch beim Vorgänger und Nachfolger? Das lies sich besonders gut mit den Cuisenaire Stäbchen abbilden. Zunächst hat sie eine Zahl mit Zehnern und Einern entlang des cm-Maßes gelegt. Danach muss sie den Vorgänger legen und optimal läuft es, wenn das Kind entdeckt, dass es nur einen Einer wegnehmen muss. Selbiges beim Nachfolger: nur einen Einer hinzulegen. Hieraus lässt sich die Addition +1 bzw. Subtraktion -1 ableiten. Klar muss natürlich immer die Richtung sein, von 0 aufsteigend nach 100.
   

Interessant ist es auch dem Kind einen cm-Maß ohne Zahlen anzubieten. Das ist natürlich schwierig. Ich habe für meine Tochter alle Zahlen auf einem IKEA-Band geschwärzt, so dass sie bis auf 0 und 100 nichts erkennen konnte. Dann lies ich sie Zahlen wie 50, 10, 90, 25 und 75 zuordnen und wir haben ihre Schätzungen mit den Cuisenaire Stäbchen überprüft. Diese Übung diente dazu ein besseres Gefühl für die Größe einer Zahl zu bekommen. Durch das Abzählen der Zehnerstangen ist es praktisch erfahrbar, wie groß eine 20, wie groß eine 80 ist.
Gemacht habe ich dies, weil mir auffiel, dass meiner Tochter nicht klar war, wie nah eine 30 oder 70 an der 25 bzw. 75 liegt. Diese Zahlen sollten eigentlich bei einer guten Vorstellung leicht zuzuordnen sein. Durch das Wissen, was sich genau zwischen 0 und 50 befindet, nämlich die 25, lassen sich auch andere Zahlen leichter einschätzen. 

Sollte irgendwann das Arbeiten mit dem Zahlenbereich bis 100 richtig gut laufen, kann ich das Kartenspiel   "The Game" empfehlen. Bei diesem muss ausgehend von 2 Einser-Karten aufwärts bzw. 2 Hunderter-Karten abwärts die Zahlen 2 bis 99 geordnet werden. Die Spieler spielen abwechselnd wobei sie sich ohne Nennung der Zahlen, die sie besitzen, absprechen dürfen, ob sie gut oder schlechte Karten besitzen. Konnte meine Tochter überraschend gut. Nur das Halten der 6 Karten fiel ihr schwer.

Dienstag, 6. September 2016

Umrechnung von Maßeinheiten bei Rechenschwäche

Dies ist ein Thema, dass erst in der 4. und 5 Klasse aktuell wird, und so für meine Tochter noch in weiter Ferne liegt. Trotzdem wollte ich hier schon mal einen Link aus der Zeitschrift Kopf und Zahl empfehlen.

In diesem Artikel wird sehr gut erklärt, welche Verständnis beim Kind vorliegen muss um Maßeinheiten umzurechnen, wo Fehlerquellen liegen, wie man erkären kann und welche Tipps nicht förderlich sind.

Montag, 5. September 2016

Uhr lernen - Zeitablauf verstehen - Zeitverständnis

Die Uhr ist lange für Kinder eine schwer verständliche Angelegenheit. Wissenschaftlich belegt ist, dass sie erst mit ca. 8 anfangen ein Zeitverständnis zu entwickeln, dass auch das sinnhafte Ablesen der Uhrzeit beinhaltet. Das deckt sich auch mit dem späten Erlernen der Uhrzeit im Schulunterricht. 
Früher - als unbedarfte Jungmutter - dachte ich immer, dass Kinder schon im Kindergarten, spätestens mit Schuleintritt, damit keinerlei Probleme haben sollten. Es gibt doch so viele Uhren für Kleinkinder oder kleine Kinder, dass ich es lange komisch fand, dass fast kein Erst- oder Zweitklässler die Uhr lesen konnte. Bis dahin dachte ich auch, dass nur meine Tochter auf Grund ihres mangelnden Zeitverständnis nicht in der Lage dazu ist, sozusagen eine Ausnahme.   

Meine Tochter hat grundlegende Probleme mit Tages-, Wochen- und Jahresverlauf. Beim Tagesablauf zeigte sich das lange daran, dass sie gefragt hat, ob es schon nachmittag ist. Haben wir mal nicht ganz so pünktlich gegessen und der Tag war ein wenig durcheinander, wußte sie nicht, ob die Mahlzeit Mittag- oder Abendessen ist oder ob noch eine Mahlzeit kommt.

Hinsichtlich des Wochenablaufs habe ich ihr zu Beginn diesen Jahres einen Kalender mit Monatsblättern gekauft. Der einzelne Monat hängt dann an ihrer Wandzeitung und ich schreibe ihr ihre ganzen Termine rein: Arztbesuche, Sport, Besuch, Ferien, Taschengeld am Sonntag, Schokolade am Samstag usw. Hierdurch hat sie zunächst ein Verständnis für den immergleichen Wochenlauf entwickelt, weil viele Termine sich regelmäßig wiederholen. Auch habe ich sie immer wieder die Wochentage abgefragt. Das klingt komisch, weil doch spätstens bei der Schuleingangsuntersuchung auch solche Fragen gestellt werden. Aber für sie war das immer wie ein Gedicht ohne tieferen Sinn. Das Kuriose ist, dass sie noch immer gern auch am Sonntag einkaufen gehen möchte und zum einen vergisst, dass dies nicht geht, zum anderen aber auch immer vergisst, wo in der Woche sie sich gerade befindet. Dass ist ihr auch peinlich und sie versucht es zu überspielen, als wäre es nur ein versehen. Von daher muss ich mit ihr immer wieder mal über den Ablauf der Woche (heute, morgen, gestern) sprechen.


Immernoch Thema ist der Jahreslauf. Anhand eines Liedes kann sie nun die 12 Monate ansagen. Jedoch nicht schnell und automatisch, so wie wir Erwachsenen es tun. Aber sie hat damit eine Eselsbrücke und findet so schon mal den Jahresanfang. 

Man sollte die Bedeutung der Tage und Monate für ein Grundschulkind nicht unterschätzen. Bei uns müssen die Kinder abwechselnd das Datum an die Tafel schreiben. Dies ist für rechenschwache Kinder jedoch ein Problem, da sie dies nicht einfach aus dem Kalender abschreiben können oder einfach bei den Tagen um einen erhöhen. Das System des Datums haben sie ja meist aufgrund ihrer zeitlichen Orientierungslosigkeit nicht verstanden. Meiner Tochter habe ich  zu Ostern noch auf ihren Wunsch hin das Datum auf einen Zettel geschrieben, damit sie von diesem abschreiben konnte. Sie mochte niemanden um Hilfe fragen und zeigen, dass sie nicht einmal das Datum aufschreiben kann. Auch war ihr bis vor kurzem nicht klar, dass es sich z.B. um den 25. Tag des 8. Monats des Jahres 2016. handelt, also die Leseart. Sie kann jetzt über ihre Eselbrücke den Montasnamen herausfinden. Und da sie nun im Zahlenbereich über 20 rechnet, fällt ihr die Addition um einen weiteren Tag leicht. 


Schwierig bleiben bestimmte Begriffe wie morgen, übermorgen, gestern, vorgestern, früher, später, nacher, vorher, Nachfolger, Vorgänger. Die letzten Begriffe sind Grundlage für Zahlenreihen und Zahlenstrahl und daher wirklich wichtig und immer noch Baustelle.

Von daher freue ich mich, dass das ablesen der zeit von einer analoge Uhr jetzt gut klappt. Von ihrem digitalen Wecker konnte sie die Zeit schon länger korrekt  ablesen und natürlich wäre es einfach gewesen, ihr eine digitale Armbanduhr zu kaufen. Darüber nachgedacht habe ich. Allerdings kann sie irgendwann mal auf eine analoge Uhr angewiesen sein und dann sollte sie diese auch lesen können. Gehört für mich zur Allgemeinbildung. Meine Tochter ist nun auch kein schwerer Fall von Rechenschwäche. Sie braucht mehr und andere Erklärungen und mehr Zeit. Aber sicher gibt es auch Fälle, für die die Uhr ein unüberwindbares Hindernis scheint. 
In der Schule wurde in den vergangenen zwei Schuljahren schon einiges erklärt. vorallem halbe und ganze Stunden, wieviele Minuten eine Stunde und wieviele Stunden ein Tag hat sowie das Zahlensystem bis 24. In ihrem Zeugnis steht dann auch, dass sie dies beherrschen würde. Stimmt nicht. Denn leider hat sie bereits wieder alles zum Thema viertel, halbe und ganze Stunde vergessen. Für ein bleibendes Verstehen müsste dieses Thema verteilt über das Schuljahr immer wieder in kurzem Abständen aufgegriffen Abständen aufgegriffen und dem Vergessen vorgebeugt werden. Die Lehrer haben zudem darauf hingewiesen, dass kein Kind die Uhr in der Schule lernt. Dies müssen die Eltern zu Hause leisten, wegen des Übungseffekts.

Ich habe ihr die Uhr jetzt ersteinmal anders erklärt, weil gelesen habe, dass gerade dieses Herangehen mit Viertel vor und nach und halb für viele rechenschwache Menschen schwierig ist:

1. soll sie schauen, zwischen welchen Zahlen der kleine dicke Zeiger steht. Hier soll sie die Zahl (1-12) ansagen, die vor dem Zeiger steht. Und 2. soll sie schauen, wo der große lange Zeiger ist (der Schnelle) und die Minuten ansagen. Dies ist auf ihrer Armbanduhr möglich, da sie in 5er-Schritten angegeben sind. An diese Regeln soll sich sklavisch halten. Feste Abläufe einzuschleifen ist für unkonzentrierte Kinder wichtig, so wird es Gewohnheit.
Als 3. Schritt sagt sie jetzt Schätzungen für die Minuten an, die zwischen den 5er-Schritten liegen, also z.B. 17 Minuten.

Problematisch wird es z.B. bei 9:55, da es dann so wirkt, als wäre es 10:55. Aber auch dies hat sie jetzt schon verstanden, dass sie ganz genau schauen muss, wenn der große dünne Zeiger in der Nähe der 12 ist. 

Ich lasse sie mehrfach am Tag die Zeit ansagen, jedenfalls wenn ich daran denke. Danach frage ich sie, was sie denkt, was dies bedeutet. Also, ob es gleich Abendessen gibt oder bald ihre Sendung anfängt usw., damit die für sie angesagte Zeit auch eine Bedeutung hat. 
Wenn das Ablesen der Zeit irgendwann zügig klappt, möchte ich ihr gern auch die Stundenangaben mit 13-24 näher bringen. Denn das versteht sie bisher nicht. Sie weiß z.B., dass 7 und 19 Uhr das gleiche auf der Uhr ist, da dann immer "Das perfekte Dinner" kommt. Sie rechnet dann von dieser 19 rückwärts, anstatt im Kopf die angezeigt Stunde + 12 zurechnen. Sie fand aber meine gebastelte Uhr gut, da sie nun weiß, dass hinter jeder Zahl von 1 -12 eine von 13 - 24 steckt und diese aber nicht genannt werden muss, damit man die angesagte Uhrzeit versteht.

Ich halte es nicht für zwingend erforderlich, dass sie die Angaben mit halber Stunde und viertel Stunde beherrscht. Jetzt üben wir erst mal das Ablesen der Uhr und das Erkennen der Stellung der Zeiger.

Sonntag, 4. September 2016

Ferienende und Meister Cody Talasia Fazit

Einige Wochen sind seit meinem letzten Post in die Welt gegangen. Kein Wunder, der wir haben Ferien. Aber nicht so ganz. Denn meine Tochter muss leider, leider auch in den Ferien ran. Am Zeugnistag gab es das Grundschriftenheft von der Lehrerin mit der Frage, ob wir nicht vielleicht in den Ferien...? Hm, gut, hat sich meine Tochter selbst eingebrockt. Das Heft war noch fast unberührt, obwohl sie es seit Ostern auf hat. Also Ziel 1: am Ende der Ferien ist das Heft geschafft.

Leider war meine Tochter auch nicht auf dem Stand der anderen Kinder, was den Mathestoff angeht. Ziel 2: Abschließen des Stoff Klasse 2, 1. Halbjahr. Vorgenommen hatte ich mir, dass sie das entsprechende Heft von "Mathematik begreifen" (Klett) in den Sommerferien abschließt und dann im nächsten Schuljahr mit Multiplikation starten kann. Die möchte sie nämlich jetzt schon unbedingt können, weil ja ALLE anderen das machen. Stimmt so auch nicht. Es sind noch einige Kinder in ihrer Klasse im Hunderterraum. Trotzdem will sie nicht zu dieser, sondern zur anderen Gruppe gehören.

Und Ziel 3: regelmäßiges Arbeiten mit Meister Cody, um an der Mengenvorstellung weiter zu arbeiten und sie zu festigen. Denn leider ist es so, dass Kinder mit Rechenschwäche und  - wie in unserem Fall - mit Konzentrationsschwäche und schlechtem Arbeitsgedächtnis, alles recht schnell wieder vergessen. Vorallem, wenn es nicht schon richtig und 3 Mal abgesichert war. Und ich möchte nicht, dass sie nach den Ferien in die 3. Klasse kommt und das bisher Erreichte wieder vergessen ist. Die Frustration wäre umso größer.

Für unsere Ferienplanung war das echt ein Problem. Zum einen sollten ihre Ferien nicht aus Lernen bestehen, zum anderen ist sie nur am frühen Morgen aufnahmefähig und leistungsfähig, so gegen 10 Uhr. Nachmittags oder abends ist sie nur noch schlecht konzentriert und der Lern- und Wiederholungseffekt wäre gering.Wenn es also morgens nicht geklappt hat, dann fiel es eben aus.
Wirklich motiviert hat sie unser "Punkteplan". Für jedes Mal "Meister Cody" oder Mathe üben gab es 2 Punkte, für jede Seite in ihrem Grundschriftheft gab es 1 Punkt. Für 10 Punkte hat sie einen Wunsch frei. Ich habe bisher noch nie mit einem Belohungssystem gearbeitet. Ich fand immer, dass ist wie ein Hündchen trainieren. Aber ich muss sagen, dass funktioniert wirklich gut. Für uns und für sie.  
An einem Tag zu Beginn der Ferien hat sie extra 8 Seiten in ihrem Grunschriftheft gemacht, nur damit sie ihre 10 Punkte voll bekommt und wir alle zusammen einen Zeichentrickfilm im Abendprogramm schauen. Und ich mag Zeichentrick überhaupt nicht. Am meisten hat sie also die Macht genossen, die sie dadurch hat. Die Wünsche waren für so ziemlich alles einsetzbar, was nicht viel Geld kostet oder der Gesundheit abträglich ist. Aber noch eine Runde Ponyreiten oder extra zu "Conny" ins Kino, das war z.B. okay.
Dieses Belohnungssystem war nur für die Ferien gedacht, die ja nun vorbei sind. Mal sehen, wie wir zusätzliches Lernen in Zukunft handhaben werden.

Nun aber zu Meister Cody - Talasia:
Meine Tochter hat volle 30 Tage dieses Programms absolviert. Hierfür hat sie ca. 2 1/2 Monate gebraucht. Nach 30 Tagen beginnt die Geschichte von neuem, die Übungen sind allerdings dem Fortschritt angepasst.
Zu Beginn der 30 Tage wurde sie getestet und jetzt nach 30 Übungstagen wieder (also alle 30 Tage eine Einschätzung über die Fortschritte). Zu Beginn mit Einordnung als Grundschulkind 2. Klasse lag sie locker in dem Bereich der Kinder die keine Schwierigkeiten haben sollten. Beim 2. Test lag sie aufgrund der Einordnung als Drittklässler nun bei den Kindern, die nur knapp keine Schwierigkeiten beim Rechnen haben sollten.
Diese Einschätzung sind also nicht sehr verlässlich. Man muss als Eltern auf sein Bauchgefühl, offizielle Tests oder Einschätzungen des Lehrers hören. Das meine Tochter sich laut Testung der App verschlechtert hatte, liegt wohl in die Einordnung in eine andere Vergleichsgruppe. Für eine Zweitklässlerin war sie im Umgang mit den Zahlen sicher - haben wir auch lange geübt. Für eine Drittklässlerin ist sie jedoch im Zahlenraum vergleichsweise unsicher.
Jedoch bin ich mit dem Erreichten sehr zufrieden. Sie hat über die Ferien ihre basalen Fähigkeiten wiederholt und gefestigt. Die Übungen hierfür sind schön und sinnvoll angelegt. Insbesondere der Zusammenhang zwischen Zahlen und Mengen wird einprägsam dargestellt.

Auch bietet die App tolle Übungen für das Arbeitsgedächtnis. Meine Tochter kann sich nicht mehr als 3 Informationen merken. De von Meister Cody konzipierten Übungen löste meine Tochter zwar unterirdisch, doch mit viel Spass. Und die Wiederholung ist dabei entscheidend.
Auch die Aufgaben, bei welcher zweistellige und dreistellige Zahlen genannt werden und das Kind sie eintippen musste, fand ich sehr gut. Meine Tochter hat noch immer Schwierigkeiten mit der Schreibrichtung und verdreht hierdurch manchmal Zehner und Einer. Auch wenn sie diesen Fehler zunehmend gut erkennt, muss sie die richtige Schreibrichtung noch automatisieren. Diese Übungen waren Klasse, weil es tatsächlich der stetigen Übung bedarf, bis es sich bei ihr verfestigt. 
Aufgefallen ist mir, dass meine Tochter laut den Zwischenergebnissen, die ich jeden Tag per Mail erhalte, fast immer oberhalb des Ergebniseines durchschnittlichen Grundschulkindes lag.
Dies kann meiner Meinung nach nur daran liegen, dass die Grundschulklassen 1-4 zugrunde gelegt wurden. Anders kann ich mir das nicht erklären. Denn nach der Auswertung vieler Übungen kann ein Kind z.B. 20 von 40 Aufgaben falsch lösen und trotzdem im Vergleich zu anderen Grundschulkindern überdurchschnittlich abschneiden. Beobachte ich jedoch meine Tochter während der Übungen, so ist sichtbar, wo ihre Probleme liegen, welche Strategien sie nutzt, wann sie rät (Zahlenstrahl bis 100) usw. Trotz allem soll das Ergebnis dann noch gut sein. Hm. Bei dyskalkulen Kindern geht man davon aus, dass die Fehlerquote bei 0 liegen sollte. Erst dann ist es verstanden. Ein rechenschwaches Kind, dass jede 2. Aufgabe fehlerhaft löst, darf im Stoff nicht weiter fortschreiten. 

Es gab einige technische Probleme, die mich gestört haben, die aber sicher mit der Zeit und der Anzahl der Nutzer beseitigt werden. Es kam häufiger zum Tonausfall, eine Erklärung passte nicht zum Spiel oder meine Tochter musste zu ihrer großen Enttäuschung (Wut!) eine Übung nochmal von vorne beginnen, obwohl sie fast fertig war.

Das große Probleme einer App liegt jedoch woanders. Was meine Tochter vorher nicht konnte und nicht verstanden hatte, wird ihr diese App sicher nicht erklären können, z.B. das Einordnen von Zahlen auf einem Zahlenstrahl bis 100. Auch wenn Meister Cody ihr dies erklärt und sie auffordert noch genauer oder einfach etwas langsamer zu arbeiten, bleibt sie beim Raten. Einfach weil sie den Zahlenraum noch nicht sicher verstanden hat.
Genauso geht es ihr beim Erkennen von Zahlenketten, bei welcher sie die fehlende Zahl ergänzen soll. Bisher kann sie Einer ansteigend und abfallend erkennen oder wenn nur der Zehner ansteigt oder abfällt. Sobald aber sich die Zahlenreihe um 5 oder 3 verändert, erkennt sie dies schlicht nicht, bzw. fühlt sie sich von der ablaufenden Zeit unter Druck gesetzt. Die Erklärung zur Übung ist gut gemacht und doch hätte meine Tochter ihre Rechenschwäche gar nicht, wenn es mit so einer kurzen Erklärung getan wäre.

Allerdings kann man hierdurch erkennen, wo Schwachpunkte sind und wo man selbst ansetzen muss.

Meine Tochter fand die Geschichte, die den Rahmen für alles bildet, bis zum Ende sehr spannend. Ebenso die Belohnung zum Schluß, in welcher sie das gewonnene Geld in  Bauteile eines Schlosses investieren durfte. Und der Ton des gesamten Spiels und die Soundeffekte sind sehr angenehm. Nochmal die bekannte Geschichte durcharbeiten wollte sie allerdings nicht, so dass wir gekündigt haben. Hätte es die Möglichkeit gegeben, nur die Übungen ohne die Geschichte weiter zu nutzen, hätte ich dies in Erwägung gezogen. Die ganzen Auswertungen braucht es dafür ja nicht.  

Mathematik begreifen, Klasse 2, Heft 1:
Derzeit arbeiten wir parallel in ihrem Matheheft. Wir haben Sachaufgaben, die Uhr und Rechnen mit zweistelligen Zahlen plus einstelligen Zahlen mit Zehnerüberschreitung absolviert. Das sie jetzt auch eine Verständnis für die Uhr zeigt, finde ich toll. Wir beschränken uns beim Nennen der Uhrzeit auf die Zahlen 1 - 12 und die Minuten. Diese zumeist gerundet auf 5 Minuten. Sie sagt also die Zeit, abgelesen von einer analogen Uhr, als digitale Zeit an. Wie man z.B. von 7 auf 19 Uhr kommt, versteht sie nicht. Für mich verwunderlich, denn sie müsste nur 12 addieren. Aber gut, dass kommt später. Man muss Prioritäten setzen. Ganz geschafft haben wir das Heft nicht. Ein paar letzte Seiten stehen noch aus. Aber das ist nicht schlimm. Hauptsache, den Rest kann sie wirklich.

Grundschriftheft:
Das Grundschrifthaft hat sie in den Ferien geschafft. Ein teilverbundene Schrift ist dabei nicht herausgekommen.
Ich persönlich kann mich mit dieser Grundschrift nicht anfreunden. Ich finde sie unschön wegen der eigenartigen Verbindungen der Buchstaben. Es wird den Kinder mit Absicht das Absetzen innerhalb eines Wortes beigebracht. Dies kommt aber von selbst, wenn man länger schreibt. Dadurch wird jedoch zugleich das Durchschreiben verhindert. Meine Tochter hat eine wirklich schlechte Feinmotorik. Zeilen und Wortabstände einhalten und selbst einen Buchstaben in der richtigen Folge zu schreiben fiel ihr bis Ostern noch sehr schwer. Sie hatte lange Sonderhefte zum Schreiben und ich musste ihr die Abstände farbig malen. Gerade das durchgängige Schreiben hätte zumindest dem Wortabständen gut getan und vielleicht auch deutlicher gemacht, welcher Buchstabe bis in den Keller oder bis ins Dach reicht.
Nun gut. Das Heft ist durchgearbeitet und meine Tochter schreibt noch immer Druckschrift. Muss dann wohl ihre eigene Schrift sein, die sie so gefunden hat. Darauf legen ja Lehrer heutzutage Wert.  Ich habe ihr allerdings ein Schreibheft zu Latainischen Ausgangsschrift besorgt, so dass sie bestimmte Buchstabenverbindungen nochmal üben kann. Denn eine verbundene Schrift ist schneller und später entscheidend, wenn die Kinder mehr schreiben müssen.

Was hat ihr nun also dieser arbeitsreiche Sommer gebracht?
Ich denke, viel. Gestern Abend löste sie einige Matheaufgeben und meinte, sie wünschte, ihre Klassenkameraden würden sie jetzt sehen. Sie hat also gespührt, dass es gut läuft und war stolz. Vergessen hat sie nichts und gesteigert hat sie sich auch. Auch rechnet sie jetzt im Alltag viel mehr: wie alt ich war, als ich sie bekommen habe, wieviel Taschgeld sie in bar und auf dem Konto besitzt, wieviele Minuten es noch bis zum Kinderfilm dauert usw. Sie hat also Spass an Zahlen entwickelt.
Und sie war entspannter beim Lerne als während der Schulzeit, freiwillig bereit kurz 15 Minuten zu lernen und Karteikarten zu wiederholen. Sie ist zwar während des Übens leicht ablenkbar, tausend Gedanken fliegen durch ihren Kopf (auch während Meister Cody spricht sie über alles Mögliche). Aber es bleibt viel mehr hängen, als wenn sie Schule hat.

Und da es neben der ganzen Lernerei und Wiederholerei jeden Tag etwas zu erleben gab, denke ich, dass ihr diese Ferien nicht in schlechter Erinnerung bleiben werden. 

Donnerstag, 7. Juli 2016

Ein toller Beitrag auf einem tollen Blog - Halbtagsblog

Eine wunderbare Erklärung eines Lehrers dazu, welchen Zugang wir Menschen zur Mathematik haben ... hier.

Sonntag, 26. Juni 2016

Zweistellige Zahlen - vertauschen von Zehner und Einer

Immer wieder stoße ich auf die Problematik der vertauschten Zahlen. Meine Tochter hat im Bereich der zweistelligen Zahlen große Fortschritte gemacht, kann zweistellige Zahlen vergleichen, bis 100 zählen und den Unterschied zwischen Einer und Zehner erklären. Und obwohl sie auch fehlerfrei zweistellige Zahlen mit einstelligen addiert, vertauscht sie beim Schreiben oft noch Zehner und Einer. Zudem bereitet ihr das Bestimmen der Nachbarzahlen große Schwierigkeiten.

Auf Nachfrage, wie sie denn z.B. die Nachbarzahlen der 67 ermittelt, sagt sie: "Ich stelle mir im Kopf ein cm-Maß von IKEA vor. Auf diesem suche ich die 60. Wenn ich diese gefunden habe, suche ich zählend nach dem Nachfolger und dem Vorgänger."
Das Positive ist, dass sie nunmehr verstanden hat, was ein Vorgänger und was ein Nachfolger ist (begrifflich), dass die Anzahl der Zehner auf die Höhe der Zahl schließen lässt, sowie das daraus folgende Aufzählen der Zehner in der richtigen Reihenfolge. Sie hat also schon eine gewisse Vorstellung vom Zahlenraum bis 100. Allerdings ist die Vorstellung von der Zahlenfolge noch nicht gefestigt. Sie weiß, dass die Zehner ansteigen und die Einer sich immer wiederholen. Aber richtig automatisiert ist dies nicht. 

Sie kann beim Zählen nicht in das Zahlenfeld springen und mit reinem Verständnis den Vorgänger oder Nachfolger benennen, indem sie einen Einer dazunimmt oder wegnimmt. So kommt es vor, dass sie trotz des Verstehens beim tatsächlichen Zählen Zahlen auslässt.

Ich  habe gelesen, dass das "flexible" Zählen, d.h. vorwärts, rückwärts, von bestimmten Zahlen aus oder in variierenden Schritten, geübt werden muss. Heute habe ich sie ein paar Punkt-zu-Punkt-Bilder probieren lassen. Früher fand sie die ganz furchtbar und hat sie in ihren Kindergarten- und Vorschulblöcken ausgelassen. Nun hat sie gerade ein Punkt-zu-Punkt-Bild bis 100 gemalt und hatte keine Probleme. Ganz nebenbei hat sie die Zahlen in der richtigen Reienfolge mitgezählt.



Den Stern haben wir gemeinsam geschaffen. Die vielen Zahlen haben sie ein wenig eingeschüchtert. 

Neben diesen Bildern lasse ich sie derzeit zweistellige Zahlen aus Cuisenaire-Stäbchen ermitteln. Voraussetzung hierfür ist, dass das Kind das Bündeln verstanden hat. 
Ich lege ihr eine willkürlich Anzahl an orangenen Zehnern und eine Anzahl Einer (weniger als 10) hin und sie soll die entsprechende zweistellige Zahl aufschreiben. Dabei sollte man die Stäbe nicht immer in der logischen Folge - erst die Zehner, dann die Einer - hinlegen, sondern durch unterschiedliche Anordnung das Kind dazu veranlassen, aus der Menge der liegende Stäbe (und dadurch sybolisierten Einer) die Zahl zu ermitteln. Die orangenen Stäbe geben immer die vollen 10er wieder, egal wo sie liegen. Zusätzlich kann man immer Einer oder Zehner hinzutun oder wegnehmen und auch das Kind fragen, was sich konkret dadurch ändert. Diese Übung stellt für meine Tochter kein Problem dar. Mögliche Varianten:






Der Vorteil der Stäbe ist natürlich, dass man sie direkt anfassen und probieren kann. Mit folgendem Spiel (R4 - Zehner und Einer) des Lehrmittelversands Zürich kann man auch digital das Ermitteln der zweistelligen Zahlen üben. Das variieren beim Hinlegen fehlt dann natürlich. Allerdings hat dieses Spiel den Vorteil, dass das Kind gezwungen ist zuerst den Zehner und dann den Einer einzugeben, so wie die Zahlen auch normalerweise entgegen der Sprachrichtung aufgeschrieben werden. Die Darstellung wechselt immer wieder zwischen Hundertertafel und Stäbchen. 
Meiner Tochter fiel die Darstellung mit den Stäbchen leicht. Diese Anzahl konnte sie immer richtig benennen, tippte sie aber zu Anfang falsch ein. Die Hundertertafel hingegen war eine echte Herausforderung. Hier fiel es ihr schon schwer überhaupt zu erkennen, wieviele Punkte abgebildet sind. Dann gab sie zu Beginn die Zahl auch noch falsch ein. Das wird nun zukünftig geübt.

Auch das Spiel mit dem Ausfüllen der Hundertertafel (R5 - Hundertertafel) eignet sich zum Überprüfen und Automatisieren der Orientierung im Hunderterfeld. Das Spiel ist natürlich nicht dazu geeignet, Verständnis zu schaffen. Das muss vorher schon erarbeitet werden. Meine Tochter hat bei diesem Spiel die fehlenden Zahlen zählend ermittelt. Die Hundertertafel liegt ihr einfach (noch) nicht.

Um meiner Tochter nochmal deutlich den Unterschied zwischen Ziffern und Zahlen aufzuzeigen und ihr ein Bild von mehrstelligen Zahlen zu vermitteln, habe ich einen kleinen Karton präpariert. In diesen können wir zweistellige Zahlen in Einern und Zehnerstangen einsortieren. 
Meine Tochter erwürfelt sich mit 2 speziellen Würfeln Zehner und Einer. Sie legt dann die passenden Stangen dazu.
Danach legt sie die Stangen nochmal in das dazugehörige Fach und schreibt die Zahl beginnend mit der Zehnerstelle auf.

Diese Idee ist nicht brilliant, aber doch eine nützliche Spielerei. Ich versuche für meine Tochter Bilder zu finden, die sie versteht, die sie praktisch durchführen kann. An Hand dieses Kartons, sieht sie, dass eine 3 stellige Zahl aus 3 Ziffern besteht.  
Das Cuisenaire-Material eignet sich gut für zweistellige Zahlen. Wird der Zahlenraum größer, kommt das Dienes-Material hinzu.
 
Die höchste Zahl an jeder Stelle ist die 9. Kommt ein weiterer Einerstab hinzu, sind es Zehn. "10" ist eine zweistellige Zahl, die man nicht in eine Spalte schreiben kann. Die zehn Einerstäbe werden zu einem Zehnerstab zusammen gefasst. Es wird ein Zehner ergänzt und an die Einerstelle tritt die "0" für "0" Einer. Die Anzahl der Zehnerstäbe ist die Höhe der Ziffer an dieser Position.  

Nachtrag:
Ich habe nochmal bei Brühlmeier (unter 8.) nachgelesen und möchte sein Vorgehen beim Erlernen der Zahlen bis 100 nochmal betonen:
Er ließ die Kinder zunächst immer mit den reinen Zehnern rechnen und sie die entsprechenden orangenen Zahlenfelder legen. Ich denke, dass es hierbei entscheidend ist, dass die Kinder die Aufgaben immer höhren und dann legen. Durch die stetige Wiederholung von hören, legen und sehen schleift sich die Bedeutung des Zehners ein (= sprachliche Bewältigung).
Als nächsten Schritt sollten sie gemischte Zahlen erkennen und benennen (ohne rechnen) oder aufgrund des Gehörten legen können.
Brühlmeier übt also jeden Einzelschritt einzeln bis er sitzt.